Mach das Spiel nicht länger mit !

Glücksspiel macht reich! – Aber nicht Dich!

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Datum: 
28. August 2014

BZgA-Studie Saarland 2014

Die Zahl der Menschen mit Glücksspielsucht steigt stetig – auch im Saarland

Man gewinnt am Geldspielautomaten - alles ist wunderbar und geht seinen normalen Gang. Bis irgendwann das Spielen die Kontrolle über den Alltag übernimmt. Plötzlich läuft alles wie ferngesteuert. Die Diagnose lautet: Glücksspielsüchtig!

Glücksspielsucht ist seit 2001 eine von den deutschen Rentenversicherungsträgern anerkannte Krankheit.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) veröffentlicht alle zwei Jahre eine Studie mit aktuellen Zahlen, wie viele Menschen in Deutschland von Glücksspielsucht (pathologischem Spielverhalten) betroffen sind. Demnach spielten im Jahr 2013 in Deutschland 443.000 Menschen im Alter zwischen 16 und 65 Jahren krankhaft (pathologisch) sowie 368.000 Menschen problematisch.

Auch im Saarland sind die Zahlen beträchtlich. Die Landesfachstelle Glücksspielsucht Saarland verzeichnet rund 4.403 Menschen mit problematischem und 5.310 Menschen mit krankhaftem Spielverhalten. Insgesamt über 9.700 Menschen mit ungesundem Spielverhalten sind im Vergleich zu 2011 ein dramatischer Anstieg von über 3.000 Personen (+47%).

Allerdings hat die BZgA die Methode zur Datenerfassung geändert. Wurde bis 2012 lediglich über Festnetz befragt, hat man in der aktuellen Studie auch Menschen über mobile Geräte angerufen. Durch Änderung des Befragungsmodus wurden vermutlich mehr Leute erreicht, da Glücksspielsüchtige oft keinen Festnetzanschluss mehr haben, etwa wegen Überschuldung. Dieser Personenkreis verfügt dann lediglich über ein Handy mit Prepaid-Karte. Ob die Ergebnisse vor zwei Jahren höher ausgefallen wären, wenn bereits damals über Handy befragt worden wäre, ist nicht belegt. Die Landesfachstelle vermutet jedoch, dass es auch in den Vorjahren eine hohe Dunkelziffer gab.

Fest steht: Die Zahl der Menschen mit glücksspielbezogenen Problemen steigt stetig. Die Zahlen für Jugendliche zwischen 16 und 17 Jahren sind verglichen mit 2011 zwar leicht zurückgegangen, bleiben aber dennoch alarmierend. So nahm 2013 immer noch jeder fünfte Jugendliche an irgendeinem Glücksspiel teil, und das obwohl Glücksspiel erst ab 18 Jahren erlaubt ist und somit Jüngeren nicht zugänglich sein dürfte. Fürs Saarland bedeutet dies, dass rund 4.800 Jugendliche schon einmal an einem Glücksspiel teilgenommen haben. Knapp 2.000 Jugendliche gaben an, auch in den letzten 12 Monaten gespielt zu haben. Der leichte Rückgang ist allerdings auf das Spielverhalten der Mädchen zurückzuführen. Bei den Jungen zeigte sich sogar ein Anstieg.

Anstiege gab es vor allem bei den Sportwetten, insbesondere bei den männlichen Jugendlichen. Im Vergleich zu 2011 hat sich der Anteil auf 7,2 % (5,2%) erhöht. Bei
den Jugendlichen, die an Geldspielautomaten zocken, stagniert die Zahl auf ähnlich hohem Niveau wie 2011 (4,5% in 2011 und 4,6% in 2013). Beim Automatenspiel gilt die Gruppe der 18- bis 20-Jährigen als höchst gefährdet. Ein Fünftel der Befragten gab an, schon mindestens einmal an einem Automaten gespielt zu haben. 37 % gaben an, in den letzten 12 Monaten an einem Automaten gezockt zu haben.

Bei den männlichen Jugendlichen ist darüber hinaus ein großer Anstieg im Bereich der Live-Wetten festzustellen. Während 2011 rund 2% an Live-Wetten teilgenommen haben, waren es im Jahr 2013 bereits rund 3%. Veantwortlich für diese Entwicklung ist vermutlich die Zunahme von Smartphones bei Jugendlichen, mit erweiterten Möglichkeiten wie Internetzugang, Apps, etc.

Wie erkennt man, ob sich eine Person problematisch oder sogar süchtig verhält?

  1. Starke Eingenommenheit von Glücksspielen
  2. Einsatz steigern, um die gewünschte Erregung zu erlangen
  3. Wiederholt erfolglose Versuche, das Spielen einzuschränken oder zu beenden
  4. Unruhe und Gereiztheit beim Versuch, das Spielen einzuschränken
  5. Glücksspielen als Flucht vor Problemen oder negativen Gefühlen
  6. Verlusten durch erneutes Glücksspielen hinterherjagen
  7. Vertuschen des Glücksspielproblems vor nahen Bezugspersonen
  8. Illegale Handlungen, um das Glücksspielen zu finanzieren
  9. Gefährdung oder Verlust von Bezugspersonen und/oder Berufschancen durch Glücksspielen
  10. Nutzen des Geldes Dritter, um finanzielle Misere zu sanieren

Für die Einordnung als „pathologisches Spielen“ müssen mindestens fünf der zehn Kriterien zutreffen. Ein „problematisches Spielverhalten“ liegt in der Regel vor, wenn mindestens drei der oben genannten Kriterien erfüllt sind.

Haben Sie Fragen zum Thema Glücksspielsucht: Sie können uns unter der Telefonnummer 0681/ 30 90 6-90 oder per Mail: info@gluecksspielsucht-saar.de erreichen. Weitere Informationen unter www. gluecksspielsucht-saar.de oder auf Facebook unter Landesfachstelle Glücksspielsucht Saarland.